Wer einen Mac nutzt, kennt das wahrscheinlich: Irgendwann wird der Speicherplatz knapp. Xcode hinterlässt mehrere Gigabyte an Build-Dateien, Browser sammeln unzählige Caches, Anwendungen verteilen Konfigurationsdateien im gesamten Benutzerverzeichnis und längst deinstallierte Programme hinterlassen trotzdem ihre Spuren.
Früher griff ich in solchen Situationen oft zu verschiedenen Werkzeugen. Das eine Programm analysierte den Festplattenspeicher, das nächste entfernte Anwendungen sauber, ein weiteres zeigte Systeminformationen an und wieder ein anderes kümmerte sich um temporäre Dateien.
Irgendwann fragte ich mich allerdings, warum ich dafür eigentlich mehrere Programme benötige.
Bei meiner Suche nach einer modernen Open-Source-Lösung bin ich auf ein Projekt gestoßen, das mich wirklich beeindruckt hat: Mole.
Das Projekt findet ihr auf GitHub unter:
Endlich wieder ein Werkzeug für Terminal-Nutzer
Ich erledige inzwischen einen großen Teil meiner Arbeit direkt im Terminal .
SSH, Docker, Git, Homebrew, Tailscale oder Serververwaltung – vieles funktioniert dort schneller, transparenter und häufig zuverlässiger als über grafische Oberflächen.
Genau deshalb hat mich Mole sofort angesprochen.
Anstatt eine weitere bunte Mac-Anwendung mit unzähligen Fenstern zu entwickeln, verfolgt Mole einen anderen Ansatz: Das gesamte Werkzeug läuft direkt im Terminal und lässt sich dadurch hervorragend automatisieren oder in bestehende Workflows integrieren.
Das wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas altmodisch.
Für Entwickler dürfte es allerdings genau das Gegenteil sein, aber es gibt hier natürlich auch eine optische Version für die man zahlen kann.
Vier bekannte Programme in einem
Die Entwickler beschreiben Mole selbst als eine Kombination aus mehreren bekannten Mac-Werkzeugen.
Je nach Anwendungsfall ersetzt es Funktionen, die viele Nutzer sonst über Programme wie CleanMyMac, AppCleaner, DaisyDisk oder iStat Menus erledigen würden. Das Ziel ist, diese Aufgaben in einem einzigen Terminal-Werkzeug zu bündeln.
Dabei geht es nicht nur um das Löschen von Dateien.
Mole kann unter anderem:
- System- und Anwendungs-Caches bereinigen
- nicht mehr benötigte Log-Dateien entfernen
- Programme inklusive ihrer verbliebenen Konfigurationsdateien deinstallieren
- große Dateien und Speicherfresser analysieren
- den Zustand des Systems überwachen
- Entwicklungsartefakte wie Build-Dateien oder Projektreste entfernen
- Wartungsarbeiten am System durchführen.
Gerade Entwickler dürften hier regelmäßig einige Gigabyte Speicherplatz zurückgewinnen können.
Besonders spannend für Entwickler
Was mir besonders gefällt, ist der Fokus auf Entwickler.
Wer mit Xcode arbeitet, kennt das Problem:
Der Ordner DerivedData wächst teilweise auf viele Gigabyte an. Dazu kommen Simulatoren, Build-Artefakte, Node.js-Projekte, Rust-Caches oder temporäre Dateien anderer Entwicklungsumgebungen.
Natürlich kann man all das auch manuell löschen.
Aber warum sollte man?
Mole kennt viele dieser Verzeichnisse bereits und übernimmt die Arbeit auf Wunsch automatisch. Das spart Zeit und sorgt gleichzeitig dafür, dass keine wichtigen Daten versehentlich entfernt werden.
Transparenz statt Magie
Ein Punkt gefällt mir persönlich besonders gut.
Viele kommerzielle Optimierungsprogramme arbeiten wie eine Blackbox.
Man klickt auf einen großen “Optimieren”-Button und hofft einfach, dass danach alles funktioniert.
Mole verfolgt einen deutlich transparenteren Ansatz.
Da sämtliche Funktionen über Terminalbefehle ausgeführt werden, lässt sich wesentlich besser nachvollziehen, welche Aktionen tatsächlich stattfinden. Das macht das Werkzeug besonders interessant für technisch interessierte Anwender, die verstehen möchten, was auf ihrem System passiert, statt sich blind darauf zu verlassen.
Open Source macht Vertrauen einfacher
Gerade bei Programmen, die Dateien löschen oder tief in das Betriebssystem eingreifen, spielt Vertrauen eine große Rolle.
Bei Mole handelt es sich um ein vollständig quelloffenes Projekt.
Jeder kann den Quellcode einsehen, Verbesserungsvorschläge einreichen oder Fehler melden. Die Entwickler legen außerdem großen Wert auf sichere Löschmechanismen und dokumentieren genau, welche Bereiche des Systems verändert werden dürfen.
Das schafft für mich deutlich mehr Vertrauen als geschlossene Programme, deren interne Arbeitsweise unbekannt bleibt.
Installation
Die Installation könnte kaum einfacher sein.
Wer Homebrew verwendet, installiert Mole mit einem einzigen Befehl:
brew install mole
Anschließend genügt bereits:
mo
und ein interaktives Menü führt durch die wichtigsten Funktionen. Alternativ lassen sich sämtliche Aufgaben direkt über einzelne Terminalbefehle ausführen – ideal für Skripte oder wiederkehrende Wartungsarbeiten. (GitHub)
Mein Eindruck
Ich finde es immer wieder faszinierend, welche Qualität viele Open-Source-Projekte inzwischen erreichen.
Mole wirkt nicht wie ein kleines Hobbyprojekt, sondern wie ein Werkzeug, das täglich produktiv eingesetzt werden kann. Die regelmäßigen Releases, neuen Funktionen und Sicherheitsverbesserungen zeigen außerdem, dass das Projekt aktiv gepflegt wird.
Natürlich ersetzt es nicht jedes Spezialwerkzeug. Wer beispielsweise extrem detaillierte Speicheranalysen oder eine aufwendige grafische Oberfläche bevorzugt, wird weiterhin andere Programme nutzen.
Für viele Entwickler, Administratoren und technisch interessierte Mac-Nutzer dürfte Mole jedoch bereits alles bieten, was sie im Alltag benötigen.
Fazit
Open Source lebt davon, dass gute Ideen geteilt werden.
Mole ist für mich ein hervorragendes Beispiel dafür, wie leistungsfähig freie Software inzwischen geworden ist. Statt mehrere Programme zu installieren, erhält man eine zentrale Werkzeugkiste für Wartung, Analyse und Optimierung des Macs – leichtgewichtig, transparent und direkt im Terminal.
Wenn ihr regelmäßig mit macOS arbeitet und Terminal-Anwendungen nicht scheut, solltet ihr euch Mole unbedingt einmal ansehen. Es gehört definitiv zu den Projekten, die ich künftig im Auge behalten werde.
nerduniversum.de